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175 Kilo wurzeln im Ring wie die Eigernordwand

Engern (wm). Karsten Kretschmer ist der Gentlemen unter den Wrestlern. Er hat schon für Hark Bohm im Film Underdogs vor der Kamera gestanden, Hip-Hop aufgenommen und bildet in Hamburg in seinem "Nordisch Fight Club" den Wrestling-Nachwuchs aus. Kretschmer kommt als Star zur zweiten Schaumburger Wrestling-Gala am 6. März nach Engern in die Mehrzweckhalle.

Babyface Davies heißt der zweite Publikumsmagnet bei den Wrestlingfans, und der Name steht für den besonderen Humor der Wrestler, denn das Gesicht des Mannes mit der Maske hat noch niemand gesehen – so erzählt man. Dafür wissen alle, wie viel er aktuell wiegt: 175 Kilo, die auf der Ringmatte wurzeln wie die Eigernordwand.

Es ist die Dramaturgie, die zu dieser besonderen Form des Nahkampfes gehört, der an die Gladiatorenkämpfe im alten Rom erinnert, nämlich, dass der Gute gegen den Bösen antritt – und, logo, der Gute gewinnen muss. Grundsätzlich sei das aber keineswegs immer vorgegeben, schränkt Karsten Kretschmer, ein, wenn man ihn fragt. 70 Prozent sei Sport und damit Kampf, 30 Prozent Show.

Kretschmer ist der Kampfsport praktisch in die Wiege gelegt worden – sein Vater, ein Gewichtheber, hat ihn mit 12 Jahren in Hamburg zum ersten Mal zum Catchen mitgenommen. Mit 17 stand Kretschmer selbst im Ring.

Babyface Davies ist übrigens ein Absolvent von Kretschmers „Nordisch Fight Club“.

Kretschmer füllt problemlos Hallen mit 4000 Zuschauern, wie jüngst in Frankreich, wo die Kämpfe auch aktuell im Fernsehen übertragen worden sind. Und warum geht er dann in die Provinz, aufs flache Land: Weil es auch dort eine große Wrestling-Fan-Gemeinde gibt, sagt er – man muss sie nur mobilisieren.

Und noch ein ganz Großer, weil ganz Kleiner der Wrestling-Szene ist in Engern im März dabei: Little Legs, ein Eineinhalb-Meter-Mann, der seinen Gegner gerade bis zum Bund der Kampfhose reicht. Vielleicht wird der eine oder andere Zuschauer denken, den hab ich doch schon mal woanders gesehen – hat er, Little Legs hat in Harry-Potter-Filmen mitgespielt.

Die anderen Namen werden wohl nur eingefleischten Wrestling-Fans etwas sagen. So wollen in Engern antreten: Leon Van Gasteren aus den Niederlanden, 1,78 groß, 95 Kilo schwer, dann Mikey Whiplash, den Mickey Rourke bekannt gemacht hat, und selbstverständlich eine hübsche Frau: Liss Austria, 60 Kilo, lange Haare und ebenfalls ein Fight-Club-Gewächs.

Auch bei der zweiten großen Wrestling-Gala ist Günther Ruppelt der Veranstalter, der jetzt auf einen großen Ansturm auf die Tickets hofft, die es übrigens auch im Internet gibt, auf der Homepage des Fight Clubs (www.ticketonline.com) oder unter Telefon 02805-4470 und an der Abendkasse.

Selbstverständlich stimmt auch in Engern die Begleitmusik, die die Atmosphäre schafft mit einer Großleinwand, tanzenden Girls und Catchern, die schon mal das Publikum aufmischen – aber nur zum Spaß und nur ein bisschen, keine Panik.

Ketschmer und Ruppelt sagen: Wrestling live ist ganz was anderes als im TV, denn wer vor dem Ring sitzt, dem wird schnell klar, Wrestling ist trotz aller Show ein ernsthafter Kampfsport. Zwanzig Minuten lang 90-Kilo-Körper in die Seile zu schmettern, im Vorbeiflug einen Gegner zu Boden zu reißen, dazu gehören Muskelkraft, Kondition und präzises Timing, soll es nicht im Blutbad enden. Die ausgeklügelte Choreografie verlangt eine geradezu artistische Körperbeherrschung. Ein Hebel, falsch angesetzt, könnte dem Gegner die Schulter auskugeln. Geht ein Sprung daneben, steht der Notarzt auf der Matte. Auf den T-Shirts der Jungs prangt in großen Lettern "Schmerz ist dein bester Freund" – und das ist wohl nur halb scherzhaft gemeint.

Diesmal ist in Engern übrigens auch ein NDR-Fernsehteam dabei, das die Kämpfe aufzeichnen und die Catcher begleiten will. Die Urzelle des Catchens in Engern, das waren vor Jahren fight-begeisterte Jugendliche, von denen es zwei tatsächlich ins Profilager geschafft haben: Rene Cardinal und Freddy Stahl. Und die haben in Engern immer noch ihre Fans.

Das gibt es am 6. März wieder in der Mehrzweckhalle: Fliegende Männer. Erschienen am 14.02.2010 in der Schaumburger Zeitung


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